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Sonntag, 20.05.2012

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Literatur-Tipp

Working Capital Ratio durch Factoring optimieren

Working Capital und FactoringDie Net Working Capital Definition entspricht im Deutschen dem Nettoumlaufvermögen, also das Kapital, das den Umsatz generiert, ohne Kapitalkosten auszulösen.

Das Net Working Capital - oder vollständig die "Net Working Capital Ratio" - ist eine wichtige Kennzahl der Bilanzanalyse. Sie wird maßgeblich durch Factoring - den regelmäßigen Forderungsverkauf - beeinflusst.

Sie misst das Umlaufvermögen im Verhältnis zum kurzfristigen Fremdkapital und sagt etwas über das verfügbare Liquiditätspotenzial eines Unternehmens aus.

Die Net Working Capital Ratio berechnet sich wie folgt:

Net Working Capital Ratio in % = Umlaufvermögen / kurzfristige Verbindlichkeiten * 100

bzw.

Net Working Capital Ratio in % = (Vorräte + Forderungen L+L + Cash) / kurzfristige Verbindlichkeiten * 100

 

Eine Net Working Capital Ratio von 200% besagt, dass das Umlaufvermögen doppelt so groß ist wie die kurzfristigen Verbindlichkeiten und dass die kurzfristigen Verbindlichkeiten mit nur 50% des Umlaufvermögens zu decken sind. Sie besagt ebenfalls, dass die weiteren 50% des Umlaufvermögens (z.B. zwingend für den Betriebsablauf notwendige Lagerbestände) durch langfristiges Kapital (z.B. Eigenkapital) finanziert sind.

Eine Net Working Capital Ratio von über 100% läßt daher vermuten, dass ein Unternehmen aufgrund seiner kurzfristigen Verbindlichkeiten nicht in eine Liquiditätskrise geraten kann.

Kritisch wird es, wenn die Net Working Capital Ratio unter 100% sinkt. Denn dann stehen dem Unternehmen weniger kurzfristig liquidierbare Mittel zur Verfügung als es kurzfristige Verbindlichkeiten hat. In einer Konjunkturkrise sinken z.B. Zahlungsmoral der Kunden (= Verlängerung der Zahlungsziele, verringerte Umsetzung von Forderungen in Liquidität) und Absatz am Markt (verringerter Abbau von Vorräten) bei gleichzeitig begrenztem Kontokorrent und zwingenden Zahlungsverpflichtungen an Lieferanten. In diesem Fall müsste das Unternehmen Teile des Anlagevermögens (z.B. durch den Verkauf einer Beteiligung oder eines Grundstücks) in cash verwandeln, um seinen kurzfristigen Verbindlichkeiten nachkommen zu können. Da dies kurzfristig in der Regel nicht möglich ist, kann das Unternehmen in liquide Engpässe geraten, die bishin zu einer Insolvenz führen können.

Net Working Capital Ratio - Rating und Bonität - Basel 2

Die Net Working Capital Ratio ist daher eine wichtige Kennzahl im Rating nach den Regeln von Basel 2 und somit wesentlich für die Bestimmung von Bonität und Kreditwürdigkeit.

Eine Net Working Capital Ratio von (mindestens) 100% spiegelt sich auch in der "Goldenen Bilanzregel" wider, wonach (mindestens) das Anlagevermögen durch langfristiges Kapital finanziert sein muss. Die US-amerikanische "Banker's Rule" besagt, dass das Umlaufvermögen (mindestens) doppelt so groß wie das kurzfristige Fremdkapital sein sollte - was einer Net Working Capital Ratio von 200% entspricht.

Factoring optimiert die Net Working Capital Ratio

Factoring verändert die Bilanzstruktur durch eine Bilanzkürzung. Diese Kürzung der Bilanzsumme durch den regelmäßigen Forderungsverkauf entsteht durch

  • Aktivtausch durch Verringerung der Forderungen aus L+L und Erhöhung des Bestands an Barmitteln
  • Bilanzkürzung durch Verringerung des kurzfristigen Fremdkapitals mittels Einsatz der neuen Barmittel z.B. zur Zahlung von Verbindlichkeiten aus L+L mit Skonto-Ausnutzung oder Rückführung der Inanspruchnahme des Kontokorrents

Factoring berüht demnach die wesentlichen Parameter der Net Working Capital Ratio - das Umlaufvermögen und die kurzfristigen Verbindlichkeiten.

Verkauft ein Unternehmen Forderungen, verringern sich sowohl Umlaufvermögen wie auch kurzfristige Verbindlichkeiten wie auch die Bilanzsumme um diesen Betrag.

Das nachstehende Beispiel verdeutlicht den erheblichen und positiven Einfluss von Factoring auf die Net Working Capital Ratio:

 

Wirkung von Factoring auf die Net Working Capital Ratio

                               ohne Factoring         mit Factoring

Vorräte                              200.000                 200.000
Forderungen L+L                 100.000      ->                 0     durch Factoring
Cash                                  200.000                 200.000

= Umlaufvermögen              500.000                 400.000

 

Verbindlichkeiten L+L         200.000        ->       100.000     durch Factoring
Kontokorrent                      100.000                  100.000
= kurzfr.Verbindlichkeiten   300.000                  200.000

 

Net Working Capital Ratio     167 %         ->          200 %     "banker's rule" durch Factoring

 

Der Abbau der kurzfristigen Verbindlichkeiten hat nebenbei auch eine Erhöhung der Eigenkapitalquote zur Folge - mit positiver Wirkung auf Eigenkapitalrendite, Eigenkapitalrentabilität und Umsatzrentabilität.

Hieran wird deutlich, welch maßgeblichen und positiven Einfluss das Instrument Factoring und der Forderungsverkauf auf diese Bilanzkennzahl hat. Factoring erhöht grundsätzlich die Net Working Capital Ratio und somit Rating und Bonität eines Unternehmens - ein wichtiger Schritt zu mehr Kreditwürdigkeit.